Ausgrabungsstätte
Ostia Antica

Marmor aus den Steinbrüchen der Isola Sacra und der Fossa Traiana

Hier finden wir etwa 400 Steinbrucharbeiten aus den wichtigsten Steinbrüchen des römischen Reichs, die gegen Ende der 50er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts in der Fossa Traiana, dem heutigen Kanal von Fiumicino, und entlang seines linken Ufers gefunden wurden. In der Tat traten entlang des Kanalufers, in unmittelbarer Nähe des grandiosen, von dem Architekten Apollodor von Damaskus erbauten Hafens von Rom aus trajanischer Zeit die größten aus den Steinbrüchen der entferntesten Provinzen des Reichs importierten Marmoransammlungen zu Tage, die neben den noch größeren des römischen Aventins eine unerschöpfliche Quelle wertvollen Materials bieten sollten, um die repräsentativen Bauwerke und Monumente des Roms der Kaiserzeit zu dekorieren.

Es war vor allem die Verwendung von farbigem Marmor, die seit der Frühzeit des Kaiserreichs die Größe Roms und seiner Kaiser repräsentieren sollte, die auf diese Weise ihre Macht und Größe und gleichzeitig die Unterwerfung der Provinzen des römischen Reichs zur Schau stellen wollten, indem sie den in den eroberten Territorien gewonnenen Stein nicht nur für architektonische Zwecke sondern auch zur Verkleidung von Wänden und Böden der bedeutendsten Bauwerke verwendeten, wie zum Beispiel den Kaiserforen und den Tempeln wie dem Pantheon. Auch wenn die Steinbrüche sich in noch so unwegsamen, unwirtlichen und zuweilen mehrere Hundert Kilometer von der Küste entfernten Gegenden befanden, wurde der schwere und hochwertige Marmor in beeindruckenden Mengen und in kürzesten Zeiten importiert, wobei man zum Überlandtransport mächtige, von Tieren gezogene Wagen und für dem Seetransport spezielle, für den Steintransport ausgelegte Schiffe verwendete.

Die hier ausgestellten Blöcke sind unterschieden nach ihrer jeweiligen Qualität angeordnet. Zu erwähnen ist der renommierte lukullische Marmor aus Theos und der phrygische Pavonazzetto-Marmor aus Kleinasien, der heutigen Türkei; der vielfarbige Pfirsichblüten-Marmor und der gemaserte Carystium-Marmor aus Euböa in Griechenland, der besser unter dem Namen Cipollino bekannt ist; der polychrome Skyros-Marmor von der gleichnamigen Insel und der berühmte Marmor der Insel Chios im Ägäischen Meer, der auch unter dem Namen Porta Santa bekannt ist; der renommierte Lychnites, der Marmor für Statuen schlechthin, der aus den Stollen in Marathi auf der zu den Kykladen gehörenden Insel Paros geschlagen wurde; der gelbe numidische Marmor und der hochwertige Quittenalabaster ägyptischen Ursprungs, sowie der seltene Serpentina Moschinata aus der östlichen ägyptischen Wüste.

Die zur Herstellung von Platten zur Verkleidung verwendeten Blöcke, die hauptsächlich polychromer Art waren, hatten normalerweise eine stufenartige Form und wurden mit sogenannten Pendelsägen oder hydraulisch angetriebenen Mehrklingen-Maschinen zersägt, die in der Lage waren, gleichzeitig mehrere Platten aus demselben Block herauszuschneiden. Die Blöcke aus weißem Marmor, wie die von der Insel Paros stammenden Statuenblöcke, die als hochwertiges Material für Skulpturen bestimmt waren, wurden grob belassen und nicht weiter rechteckig zugeschnitten, um den Verlust des zur Schaffung der Skulpturen notwendigen Volumens zu vermeiden. Säulenstämme, Kapitelle und Sockel wurden dagegen bereits halbgefertigt importiert und erst nach Erreichen der Baustelle endbearbeitet, um mögliche Beschädigungen der Oberfläche zu vermeiden. Die Halbfertigung war aber auch notwendig, um durch ein geringeres Gewicht den Transport zu erleichtern.

Auf fast allen gefertigten Elementen findet man noch heute gut sichtbare Inschriften und Erkennungszeichen der Steinbrüche, die bezeugen, wie streng und präzise die Kontrolle des Abbaus der Marmorressourcen seitens der kaiserlichen Behörden war. Die Inschriften enthalten häufig nicht nur die Namen der Konsuln, die eine Datierung der Fertigung des Elements erlauben, sondern auch den der mit dem Abbau betrauten Arbeiter, sowie die Herkunft aus der jeweiligen Marmorgegend und die Herstellungsnummer des Blocks. Häufig fand man auf diesen Blöcken auch Bleisiegel mit dem Abbild des Kaisers, die eindeutig den kaiserlichen Besitz des für architektonische Projekte oder zur Schaffung von Skulpturen höchsten Niveaus im Bereich der kaiserlichen Residenz bestimmten Blockes bestätigen sollten.